KARNEVAL(K)

Donnerstag Abend, knapp 22:26 Uhr, Köln. Nachdem ich seit ca. 16:30 Uhr via Bahn unterwegs bin, meinen voll beladenen Koffer, den ich liebevoll zu Hause befüllt bekommen habe, hinter mir herziehe, hetze und mein RE eigentlich schon weg sein müsste, hab ich wenigstens etwas Glück: Er steht noch da. Und das war wohl das einzig Positive, was ich der 5. Jahreszeit hier im Ruhrgebiet abgewinnen konnte.... Der weitere Heimweg war übelriechend, laut, dreckig, muffig und mit mieser Mundharmonika-Musik begleitet.
An sich mag ich Verkleiden - Ja, wirklich! Gute Mottos sind das i-Tüpfelchen einer Party und ich liebe es, mir etwas Spezielles dafür zu überlegen. Aber Karneval hier gleicht einer gefälschten Packung M & Ms; sieht so aus, schmeckt aber nicht so. Was ich sehe: Bunte verkleidete, lustige Menschen, die Lachen und Spass haben. Was es wirklich ist: Kleine 14jährige Mädchen, die besoffen sind und die Gelegenheit ergriffen haben, um sich wie kleine Prostituierte anzuziehen - Ist ja Karneval, wah?! Da geht dat scho. Billig Vodka in die eine Hand, gläserner Blick gerade aus und halbwegs fertiges Kostümchen zurecht gerückt, für was Richtiges hat´s ja mal wieder nicht gereicht. Grölende, Mitmenschenbelästigende Halbwüchsige, die sich für besonders grandios halten und nach der ganzen Alkoholabteilung riechen, in der sie eigentlich nicht mal einkaufen dürften.Vermutlich war Karneval nicht immer ein einziges Besäufnis, früher mal. Da habe ich noch nicht hier gewohnt....
Samstag Abend, gegen 22:15 Uhr, Dülken. Am Bahnhof warte ich mit zwei Leuten aus meiner Crew auf den letzten Zug. Kommt ein absolut dichter, vielleicht 16jähriger Junge an das Gleiß. Bier und Kippe in der Hand. Schlingerlinien sind Voraussetzung. Knapp am Rand vorbei. Mein Herz schlägt schneller. Bitte nicht vorm Zug runterfallen, denke ich mir nur. Plötzlich macht es "Peng", er tritt gegen die Wand. Zusammenzucken. Dann geht er zurück zur Kante. Springt runter auf die Schienen. Ich schaue nervös auf mein Handy. Noch knapp 5 Minuten. Er geht auf die andere Seite. Legt sich kurz auf die Bank. Ausatmen. Komisch, hatte ich die Luft angehalten?! Scheinbar schläft er. 3 Minuten. Oder doch nicht, er steht auf, springt wieder runter und kommt zurück. 2 Minuten. Angespannt sehe ich die anderen an, wir stehen auf. Der Zug kommt. Und der Junge bleibt Gott sei Dank schwankend stehen, bis die Türen aufgehen...
Karneval? Nö, danke.
MRN